Anfang 2020 erhielt ich die Anfrage, ob ich für das neue Verwaltungsgebäude der Nord Stream 2 AG in der Schweiz eine Wandarbeit/Relief entwerfen könne und wolle. Zusätzlich zu dieser Wandarbeit wurde dann auch noch über eine, vielleicht auch mehrere begleitende Editionen gesprochen, die zu entwerfen wären: limitierte Serien von kleineren Arbeiten, die das Thema der Wandarbeit aufgreifen. Einige Gedanken, Bedenken und Fragen bezüglich dieses Auftrags s.u.
Der Auftrag umfasste schließlich eine Wand-Arbeit für das neue Verwaltungsgebäude der Nord Stream 2 AG in Zug (Schweiz), sowie drei verschiedene Editionen. Die Edition „Project Completion Commemorative Gift“mit einer Auflagenhöhe von 500 Exemplaren. Die Edition “Lubmin“mit ein Auflagenhöhe von 20 Exemplaren. Und die Edition“ Sanct Petersburg“ mit einer Auflagenhöhe von 10 Exemplaren.
„Kernmaterial“ für alle Arbeiten sind Stahlspäne der Pipeline. Diese Späne entstehen wenn an den Enden der Spezial-Stahlrohre, die noch einmal mit einem Spezialbeton ummantelt sind, angefast werden um in diese Fase die Schweißnaht zu legen.
Hierfür wurden direkt vom Verlegeschiff in der Ostsee Mitte 2021 diese Späne in zwei BigBags per Helikopter zunächst an Land geflogen und von da aus zu mir ins Atelier geliefert.
Hier wurden die Späne von mir gesichtet, sortiert und gereinigt.
Für jedes Exemplar der 500 Exemplare der ersten Edition wurde ein einzelner Stahlspan von mir ausgesucht; für die größeren Editionen mit eine Auflage von 20 bzw. 10 Stück wurden mehrere Späne ausgewählt. Anschließend wurden diese entsprechend verpackt und an die inzwischen sondierten Fertigungspartner versendet. Fertigungspartner für diese aufwendigen Werke waren Betriebe in Deutschland, Niederlande, und England. Diese Fertigungspartner erhielten dann von mir ebenfalls bearbeitete Grafiken die in die Editionen bzw. die große Wandarbeit mit eingegossen werden sollten. Parallel entwarf ich die Kartonagen für die Editionen und gab deren Fertigung in Auftrag. Ende 2021 war der Großteil der Editionen fertiggestellt. Auf zwei Paletten sorgfältig verpackt wurden diese dann bei mir im Atelier von einer Spedition abgeholt und nach Mukran an die Ostsee gebracht. Für Mai 2022 war geplant, innerhalb einer großen Feier die Editionen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Projektgruppe der Nord Stream 2 AG und weitere Menschen zu übergeben. Die weiteren Editionsexemplare waren kurze Zeit später ebenfalls gefertigt und warteten bei mir im Atelier auf deren Abholung. Sämtliche Vorarbeiten und technischen Produktionsfragen für die Wandarbeit für das Verwaltungsgebäude in Zug waren zu diesem Zeitpunkt ebenfalls ausgiebig bearbeitet und soweit geklärt, dass ich deren Fertigung Anfang März 2022 in Auftrag geben wollte. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Mit dem Einmarsches des russischen Militärs in die Ukraine am 24. Febr. 2022 wurden Sanktionen gegen Russland erhoben die auch das Unternehmen Nord Stream 2 betrafen. Die Editionen wurden nicht ausgegeben und die Wandarbeit nicht final gefertigt.
Es dauerte dann gut 2 Jahre, bis wieder Bewegung in diesen Auftrag kam.
Am 1. März 2024 kam es dann zu einer vollkommen unerwarteten Entwicklung in Bezug auf meinen Auftrag für die Nord Stream 2 AG. In einer mail fragte eine Ausstellungsassistentin vom Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland nach eben diesen Editionen aus dem von mir ausgeführten Auftrag für die Nord Stream 2 AG.
Die Ergänzung des Sammlungsbestandes, wie die aktuelle Neugestaltung der Dauerausstellung im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland auf über 4500 qm sähe vor, auch die „Episode Nord Stream 2 AG“ hierin mit auszunehmen. Und hierfür suche man nach aussagekräftigen und gestalterisch qualifizierten Exponaten. Nach langer Recherche sei „man“ auf ein Exemplar meiner Editionen gestossen und könnte sich diese ggf. als geeignete Exponate vorstellen.
Mai 2024: Nach weiteren Telefonaten kam es schließlich zu einem Treffen mit Dr. Manfred Wichmann, Sammlungsdirektor im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und letztlich zu dem Ergebnis, dass das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ein Exemplar der kleinen Editionskuben, ein Exemplar der exklusiven größeren Edition, sowie einige Späne der verlegten Rohre in die Sammlung, wie auch in die neu konzipierte Ausstellung aufnehmen wolle.
Im Dezember 2025 wurde die neue Dauerausstellung im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn mit dem Prototypen der exklusiven Edition eröffnet.
Mit dem Sachverwalter der Nord Stream 2 konnte ich vereinbaren, sämtliche, nicht ausgegebene Edtionsexemplare zu meiner freien Verfügung zu erhalten. Bleibt für mich die Frage, was ich mit den restlichen Spänen der Pipelines bei mir im Atelier mache ? Schon länger geht mir eine Art einer „das alles“ kommentierenden Arbeit hiermit durch den Kopf. Mal sehen….