ERD ARBEITEN

Material: Erde, Leinwand, Acryl, Foto, Leim, Folien, Glas

In diesen Werkgruppen treffen natürliche Elemente und vom Menschen gestaltete Bildträger in einem langfristigen, offenen Prozess aufeinander. Die Erde wirkt hier nicht nur als Material, sondern als aktive Partnerin, die die eingeschlossenen, teilweise bemalten Leinwände und die darin integrierten Fotografien langsam, stetig und mit einer geduldigen Beharrlichkeit verändert. Über einen großen Zeitraum, der sich von Monaten bis zu vielen Jahren erstrecken kann, verwandelt sich das ursprünglich künstlich geschaffene, bewusste und bewusst komponierte Bild zu einem organischen, vielschichtigen Bild-System, das sich ohne Zutun des Künstlers weiterentwickelt.

Feuchtigkeit, Trockenphasen, Druck, mikrofeine Bewegungen und natürliche chemische und Photosynthese-Prozesse beginnen, die Oberflächen zu verschieben, Farben zu verfärben, Strukturen aufzubrechen und neue Schichten zu erzeugen. Die Erde legt sich wie ein zweiter Pinsel über das Werk, verändert Linien, verwischt Grenzen und führt überraschende, nicht planbare Ergänzungen ein. Was fixiert schien, beginnt sich zu lösen, neu zu ordnen und weiterzuwachsen. Die Natur übernimmt den Fortgang des künstlerischen Prozesses, erweitert ihn und hinterlässt eine eigene, leise, aber kraftvolle Handschrift.

So wird die Natur nicht nur dargestellt, sondern in ihrer kontinuierlichen, prozesshaften Wandlung direkt erfahrbar. Die Erd-Arbeiten zeigen, wie Zeit sichtbar wird, wie Veränderung sich als materieller Abdruck manifestiert und wie sich das Verhältnis zwischen Kontrolle und Hingabe, zwischen menschlicher Intention und natürlicher Transformation in jeder Schicht des Bildes widerspiegelt. Jede einzelne Arbeit wird zu einem sich wandelnden Archiv, einem behutsam geführten Dialog zwischen Kunst und Natur, in dem beide Seiten Spuren hinterlassen und gemeinsam ein neues, eigenständiges Bildgefüge schaffen.

Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen, Und haben sich, eh‘ man es denkt, gefunden; Der Widerwille ist auch mir verschwunden, Und beide scheinen gleich mich anzuziehen.

Diese Verse stammen aus Johann Wolfgang von Goethes Sonett „Natur und Kunst“ (ca. 1800), das die scheinbare Gegensätzlichkeit und tiefe Verbundenheit von natürlichem Schaffen und künstlerischer Gestaltung thematisiert. Sie reflektieren die klassische Idealvorstellung, dass wahre Kunst (Ordnung/Gesetz) und Natur (Form) eins werden.

Bildabfolge Rechts: 
Erd-Retabel, 1992
Stahl, Glas, Leinwand, Acryl, Erde
190 x 100 x 10 cm

Kontinuierliches Befeuchten der Erde unter der monochrom roten Leinwand ließ das hier zu sehende Bild entstehen. Dieser Prozess wurde durch Austrocknen angehalten, kann aber jederzeit durch das weitere befeuchten wieder aufgenommen und fortgeführt werden.

Seit einigen Jahren wird die Werkgruppe der Erd-Arbeiten ergänzt durch die Erd-Intarsien.

Bodeninstallation “Zurück zur Natur”, Seligenstadt

Maße/Material: 300 × 300 cm

4 mm Edelstahl, 6 mm VS-Glas, Leinwandprint “Seerosen“ von Claude Monet,

Der umgebende Rasen wird mit einem Brenner abgeflammt. Der nach unten hin offene Stahl-Glasrahmen beinhaltet das auf Leinwand gedruckte Bild “Seerosen“ von Claude Monet.

In den Boden eingelassen transformieren die Prozesse der Erde wie der Photosynthese langsam und stetig Monet´s von der Natur inspiriertes künstlerisches in ein naturhaftes Bild. Entliehen und inspiriert aus der Natur kehrt es gewissermaßen „zurück zur Natur“.

Ebenso wird sich der, die Intarsie umgebende abgebrannt Rasen wieder regenerieren.

Zurück zur Natur
EDELSTAHL, VS-GLAS, LEINWANDDRUCK

Auf einem planen Wiesenstück lässt Hermann J. Kassel einen Stahlglasrahmen wie eine Intarsie ein. Um diesen Rahmen herum wird der Rasen abgeflämmt, sodass sich eine quadratische Fläche mit dem Tableau in der Mitte ergibt.

Ungeschützt auf dem Erdboden sind die „Seerosen“ Claude Monets, die als Kunstdruck dem Glas hinterlegt sind, den Transformationsprozessen der Natur ausgeliefert: den organischen Prozessen, den Elementen Licht und Feuchtigkeit, Hitze und Kühle. Die Seerosen – ein Abbild des üppigen Gartens Monets, in dem jeder Grashalm, jedes Blatt, jeder Lichtreflex auf dem Wasser zu einem kunstvollen Pinselstrich wurde –, diese Natur, die zu einer Ikone der klassischen Moderne wurde, wird wieder von der Natur eingenommen. Die Wiedereinnahme der Kunst durch die Natur findet im künstlerischen Rahmen, in dem definierten Raum hinter der Glasfläche des Bilderrahmens statt. Das Abflämmen des Rasens um das Tableau herum wird von Zeit zu Zeit wiederholt.

Wie wird wohl die Fauna und Flora des Stammheimer Schlossparks den Monet’schen Garten in den nächsten Monaten durchdringen? Wir observieren und staunen … (PD)