Raum. Material. Transformation.
Meine Installationen sollen Räume nicht einfach besetzen, sondern als energetische Felder neu definieren. Ob im urbanen Kontext, in der Natur oder im klassischen White Cube: Ich nutze architektonische Strenge, industrielle Werkstoffe und physikalische Elemente wie Licht, um unsichtbare Spannungen physisch erfahrbar zu machen.
Es geht mir darum, Sehgewohnheiten radikal aufzubrechen und massive materielle Schwere mit atmosphärischer Leichtigkeit zu vereinen. Der Betrachter bleibt dabei nie außen vor: Er wird zum integralen Bestandteil der Arbeit, gefordert, den Raum neu zu lesen und die Kunst nicht nur passiv zu betrachten, sondern im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen.
Raum-Ton-Installation im Schloß Horst, Gelsenkirchen, 2001 Das Renaissance Schloß Horst dient heute als Standesamt und kultureller Veranstaltungsort der Stadt Gelsenkirchen. Ca. 8 Wochen lang wurde die Bevölkerung in Tageszeitungen gebeten, ihre Hochzeitsgarderobe für diese temporäre Installation zur Verfügung zu stellen;
45 Paare waren hierzu bereit.
Über 12 kleine, in der Schloßfassade untergebrachte Lautsprecher lief leise, wie das Echo aller bisher gemachten Versprechungen, eine Ton Endlosschleife mit den zuvor im Standesamt von den Heiratswilligen aufgenommenen „Original-Ja-Worten“
Original-Ja-Worte (Zum abspielen auf den „play“ button klicken)
12 m breiter Rasen-Bumerang, 5 Stahl-Spiegelrohrobjekte, Kreide.
“In der poetischen Arbeit “Der Weg des Bumerang“ scheint der Künstler Hermann J Kassel seinem Publikum eine Geschichte erzählen zu wollen, die Geschichte eines bumerangförmig aus der großen Spiel- und Tummelwiese des Grugaparks ausgeschnittenen Rasenstücks, das wie von riesiger Hand geschleudert, an verschiedenen Stellen auf dieser großen Wiese gelandet ist – weiße Markierungen halten die jeweilige Position fest – und schließlich für zwei Monate einen vorläufigen Ruheplatz im Ausstellungspavillon gefunden hat, bevor er wieder – wie es dem Wesen des Bumerang entspricht – an die alte Stelle in der Wiese zurückkehrt. Mittels periskopähnlicher Seerohre kann das Publikum die jeweilige „Flugbahn“ verfolgen und im Abschreiten von Position zu Position nachvollziehen. Im Laufe dieser kleinen Wanderung über die große Wiese gelangt das Publikum in den Ausstellungspavillon und steht dort dem Rasenstück-Bumerang unmittelbar gegenüber.
Hier im Pavillon wird dem Betrachter klar, dass es um mehr und anderes geht, als nur um eine poetische Geschichte. Denn vom Pavillon aus kann der Betrachter des Bumerang-Rasenstücks mittels Sehrohr wieder auf den Ausgangspunkt der Geschichte zurückblicken. Er schlägt damit gedanklich einen Bogen: Das Stück Natur ist aus seinem ursprünglichen Zusammenhang gerissen, in die künstliche Situation der Ausstellung verbracht und geht hier, da es im Pavillon nicht begossen und von der Sonne nicht beschienen wird, in den Zustand des Zerfalls über.
Erst nach Abschluß der Ausstellung kehrt dieses Rasenstück an seine alte Stelle zurück und wird sich in der Natur rekreieren. …….“
aus “Der Weg des Bumerang“, Dr. Gerhard Finckh, Städt. Galerie Museum Folkwang Essen
Entstanden im Rahmen der Kulturhauptstadt Europas 2010 in Dorsten Material: Kohle, Stahlgitter, Stahlrohr, Stahlplatte, Seifenblasenmaschine Der Künstler Hermann J Kassel konzipierte eine 4,10 m hohe Kohlenstele über quadratischem Grundriss (0,82 x 0,82 m). Ein Stahlgitter bildet den Rahmen für das Füllmaterial Kohle. Der Rohstoff verweist auf das Transportgut und den schon in damaliger Zeit gefragten Energielieferanten. Zur Eröffnung wurde die Kohlenstele im Stadtzentrum von Dorsten aufgebaut. Aus der Kohlenstele symbolträchtig austretende Seifenblasen wurden durch den Wind in die Stadt geweht.
Mit der späteren Positionierung am Standort des ehemaligen Kohlhauses sowie der Authentizität des Materials entwickelt das Werk denkwürdige Symbolbezüge.
Energie-Transformator (licht-grün)
Standort: Mechernich
Maße: 300 x 300 x 300 cm
Material: Glasbausteine, Photovoltaik-Anlage, Energiesparleuchten
Der allseitig geschlossene, aber nach oben hin offene Kubus beherbergt in seinem Inneren eine Photovoltaik-Anlage. Tagsüber erscheint der Kubus durch den wandernden Einfallswinkel der Sonne und das Spiel von Wolken und Licht in einem blassen bis grellen Grün. Frühmorgens lässt die frontal auf den Kubus treffende Sonne diesen grüngolden leuchten.
Die durch die Photovoltaik-Anlage aufgenommene und gespeicherte Sonnenenergie wird mit Hereinbrechen der Dunkelheit als künstliche Lichtenergie wieder abgegeben und lässt den Kubus nun von innen heraus leise leuchten.
Energie-Transformator (licht-grün)
Standort: Gelsenkirchen
Maße: 300 x 300 x 300 cm
Material: Glasbausteine, Photovoltaik-Anlage, LED-Leuchten
Während der Kubus in Mechernich eher in einer naturnahen Umgebung steht, wurde die Gelsenkirchener Arbeit mitten in der Stadtlandschaft – direkt neben dem Theater im Revier – realisiert.
Durch eine neue Clip- und Silikonfugentechnik erscheint der Baukörper noch transluzenter. Das künstliche Licht wird hier im Inneren über moderne LED-Technik abgegeben.
Licht und Struktur im Raum
Für den Standort Konstanz entstand eine weithin sichtbare Landmarke, die formale Strenge mit atmosphärischer Leichtigkeit verbindet. Mit einer Gesamtdimension und Höhe: 15 m x 3 x 3 m prägt die Installation ihr Umfeld durch eine klare, architektonische Präsenz. Die vertikale Ausrichtung wird durch massive Stahlmasten definiert, die für eine makellose und widerstandsfähige Oberfläche vollständig pulverbeschichtet wurden. Als visuellen und leuchtenden Kontrapunkt zur klaren Kante des Metalls integriert das Werk 75 cm Moonlight-Kugeln. Sie durchbrechen die Härte des Materials und tauchen die Skulptur besonders in den Abendstunden in eine sphärische, weiche Lichtaura.
Regenwaage (Modell)
Ausstellung: 2. Fujisankei Biennale, The Hakone Open-Air Museum (Kanagawa-ken, Tokio, Japan)
Modellmaße: 100 x 100 x 70 cm (Geplante Originalgröße: 750 x 1500 x 750 cm)
Material: Stahl, Klöpperboden, Holz, Kunstrasen
Regenwasser ist das Element, das diese Skulptur bewegt. Länger andauernde Regenschauer füllen die Stahlschale. Diese senkt sich langsam ab, um gleichzeitig die große Stahlscheibe aus der Erde zu heben und sie somit erst sichtbar werden zu lassen. Durch die Verdunstung des Regenwassers steigt die Schale wieder in die Höhe und lässt die Scheibe zurück in die Erde sinken.
Gruppenausstellung deutsch/tschechischer Künstler/Innen im Schloss und Schlosspark Melnik-Horin des Fürstenhauses Lobkowicz bei Prag, kuratiert durch artcircolo,München.
Material: Das alte Treibhaus im Schlosspark des Sommerschlosses Horin, Rindenmulch, 500 Tontöpfe, 1 Doppelzentner Erbsen, im Treibhaus zurückgelassene Gegenstände (alte Zinkwanne, alter Regenmantel). Wahlweise konnten zu dieser Gruppenausstellung bereits fertiggestellte Arbeiten gezeigt oder vor Ort erarbeitet werden. Ich entschied mich dafür, mit und in dem alten, zum Park des Sommerschlosses Horin gehörenden Treibhaus, zu arbeiten. Seit Jahren sich selbst und somit dem Wildwuchs überlassen, entstand die Idee, dieses zu re-kultivieren. Ein Ort, aus welchem heraus in der Vergangenheit Kultur- und Nutzpflanzen für den Park gezogen wurden, sollte hier (wieder) zu einem vielschichtigen Kultivierungsort werden.
Mit Fertigstellung der Installation war das Treibhaus mit einer geradezu magischen Atmosphäre aufgeladen.
Angefüllt vom Duft des Rindenmulches, den 500 aufgereihten aber (noch) umgedrehten Tontöpfen, dem Doppelzentner Erbsen und den Relikten aus der Vergangenheit, war dies (wieder) ein Ort verschiedener Potenzen, Potenziale.